Flasbacks & Trigger

 Was ist ein Trigger?

Flashbacks werden häufig durch sogenannte Trigger ausgelöst, das sind die äußeren Reize, die Erinnerungen an das traumatische Erlebnis der Situation, Handlungen oder andere Gewalterfahrungen wachrufen. Trigger sind beispielsweise Gegenstände, Gerüche, Geräusche, die im Zusammenhang mit der Tat stehen.

Das kann ein Kleidungsstück wie eine Jeans sein, weil der Täter eine Jeans trug. Oder ein Kinderzimmer, das ähnlich wie der einstige Tatort aussieht.

Auch Situationen, die an die Tat erinnern, stellen häufig einen starken Trigger dar, typischerweise gehören dazu sexuelle Erlebnisse und Streitsituationen. Aber auch ein bestimmter Jahrestag kann zum Trigger werden.

Schlimmstenfalls wird der Anblick jedes Menschen zum Trigger, oder sogar schon das Hören irgendeiner menschlichen Stimme. Der Aufenthalt in einem beliebigen Zimmer kann zum Trigger werden, ähneln sich doch alle Zimmer dieser Welt entfernt und letzten Endes jenem Zimmer von "damals", in dem "es" passiert ist.

Selbst positive Emotionen wie Zuneigung können zu einem Trigger werden, weil der Täter vielleicht ein geliebter Familienangehöriger gewesen ist.

Wenn erst einmal jede Berührung, auch die der eigenen Kleidung, jedes Geräusch und jedes Bild, das dass Auge wahrnimmt zum Trigger geworden ist, lebt das Opfer ununterbrochen in einer Hölle von Erinnerungen an die traumatischen Ereignisse, aus denen es scheinbar kein Entrinnen mehr gibt.

Sind Opfer in diesem Ausmaß von Flashs betroffen, sind die Folgen für den Alltag verheerend:

  • Sie sind nicht mehr dazu in der Lage, eine sexuelle Beziehung zu führen und/oder in einer Partnerschaft zu leben.
  • Sie werden/sind arbeitsunfähig.
  • Sie leben in einer totalen Isolation von der Umwelt, weil ein Verlassen der Wohnung viel zu heftige Flashs auslösen würde.
  • In den schlimmsten Phasen liegen sie nur noch wie erstarrt da, unfähig diesen Zustand zu beenden.

Flashs vermitteln den Betroffenen das Gefühl, nie mehr in ein normales Leben zurückfinden zu können. Es ist fast, als hätte der Täter sie mit einem lebenslangen Fluch belegt und würde sie auch noch Jahrzehnte nach der eigentlichen Tat heimsuchen.

Es ist daher oft von existenzieller Bedeutung, für sich selbst wirkungsvolle Strategien für Flashback-Kontrollen zu entwickeln.

Dies erklärt den vollkommen anderen Charakter von Trauma-Erinnerungen, der sich von der gewöhnlichen Alltags-Erinnerung drastisch unterscheidet: häufig kommen Trauma-Szenen als eine Art "Stummfilm" mit nur kurzen (zeitlich ungeordneten) Szenen hoch.

Diese können u.U. sogar sehr detailreich sein, aber mit scheinbar nebensächlichen Details verziert, die wegen der fehlenden Interpretation und Sinngebung durch das Großhirn einen "bizarren" und scheinbar "unwirklichen" / "gespenstischen" Charakter tragen, gleichzeitig aber mit Gefahrensignalen und Alarmgefühlen verbunden sind. Auch Körpererinnerungen können sehr detailreich sein.

Je nach Art dieser blitzartigen Erinnerung kann es vollkommen unklar sein, was hinter dieser Szene steckt, weil andere wesentliche Erinnerungs-Arten wie z.B. gesprochene Worte fehlen und die Wiedererinnerung dadurch sehr einseitig sein kann, wodurch eine vernünftige Interpretation sehr schwierig werden kann. Andererseits können die Erinnerungs-Blitz-Szenen auch Elemente enthalten, die die Art der Traumatisierung sehr klar belegen.

Wenn beispielsweise die Geschlechtsorgane eines anderen Menschen (die ja normalerweise durch Kleidung verdeckt sind) eine besondere Rolle in einer solchen "gespenstischen" Szene spielen, wird man davon ausgehen müssen, das diese auch beim Trauma eine entscheidende Rolle gespielt haben, auch wenn einem die Wiedererinnerung vollkommen "verrückt" und total unlogisch vorkommt.

Ebenso verhält es sich mit Körpererinnerungen, wenn man beispielsweise eine Vergewaltigung direkt an den betroffenen Körperteilen spürt - als ob sie gerade stattfinden würde! Auch in solchen Fällen muss man nicht lange heruminterpretieren.

Die impliziten Gedächtnisse sind wegen ihrer immensen Wichtigkeit für das Überleben und ihrer langen Evolutionsgeschichte relativ zuverlässig; eventuelle Fehlinterpretationen entstehen nicht dort, sondern bei der nachträglichen Sinngebung durch das Großhirn, die oft nur von unvollständigen Informationen ausgehen kann.

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