Trauma & Erinnerungen

Trauma-Erinnerungen sind in der Regel anders als normale Erinnerungen.

Auch die psychischen Vorgänge bei der Depersonalisation / Derealisation lassen sich durch die Trauma-Vorgänge erklären: das Großhirn kommt mit den zeitlich ungeordneten und total einseitigen / unwirklich erscheinenden und kaum zusammenhängenden Informationen aus den verschiedenen impliziten Gedächtnissen nicht zurecht und hat deutliche Schwierigkeiten bei der Interpretation.

Inwieweit dieses Phänomen der Einseitigkeit eventuell durch die dauerhaften Umverdrahtungen / Unterbrechungen im Gehirn (mit-)verursacht wird, ist noch nicht geklärt. Es könnte den Erfolg von EMDR bei der Wiederherstellung von (neuen) Verbindungen im Gehirn erklären.

Als Überlebender sollte man wissen, dass das Phänomen der Einseitigkeit / Unwirklichkeit / scheinbaren "Verrücktheit" nicht auf eigener persönlicher Unfähigkeit beruht, sondern prinzipiell jedem Traumatisierten so geht. Man ist nicht verrückt, sondern man hat verrückt erscheinende Erinnerungen, die sich evtl. durch Trauma-Therapie auflösen und klären lassen.

Es wird vermutet, dass bei einem Flashback ähnliche Vorgänge wie beim ursprünglichen Trauma ablaufen. Bereits nachgewiesen sind Ausschüttungen von Serotonin, die denen beim Trauma entsprechen.

Das Oszillieren

Der beim Flashback eintretende Retraumatisierungs-Effekt durch ausgeschüttete Trauma-Hormone erklärt das charakteristische Hin- und Herpendeln zwischen dissoziativer Amnesie und Flashback-Phasen, im Fachjargon auch "Oszillieren" genannt, das bei vielen Trauma-Opfern zu beobachten ist (und manchmal auch Monate oder Jahre dauernde Perioden haben kann).

Solche Wiederholungen können auch dutzende oder hunderte Male auftreten, ohne dass es zu einer sichtbaren Verbesserung oder Verarbeitung kommt.

Trauma-Opfer haben oft eine extrem hohe Sensibilität für Reize aller Art, so dass dieser Zyklus im Alltag leicht ausgelöst und über lange Zeit aufrechterhalten werden kann.

Daraus ergeben sich auch Folgerungen für die Trauma-Therapie, die bisher von der klassischen Psychotherapie, die sich mit den biologischen Vorgängen bisher kaum beschäftigt hat, wenig beachtet worden sind.

Weder eine reine Trauma-Exposition ohne Bewertung, noch eine Aufrechterhaltung der dissoziativen Amnesie durch Umgehung der "heißen" und "gefährlichen" Themen sind produktiv. Insbesondere Wiederholungen von Retraumatisierungen sollten unbedingt vermieden werden; wer Flashbacks hat, sollte sofort eine Trauma-Therapie bekommen.

Ziel einer Trauma-Verarbeitung sollte sein, die Blockade zwischen den Gehirnteilen aufzuheben und zu einer angemessenen Bewertung der traumatischen Ereignisse zu gelangen, damit die Wiederholungen des andauernden Hin- und Herpendelns aufhören. Dies kann von entscheidender Bedeutung für den Behandlungserfolg sein.