Die Stressreaktion

Stressreaktion

Ausgangspunkt der Stressreaktion ist eine Situation, in der ein innovativer Stimulus, ein neues Bedürfnis oder eine unbekannte Anforderung hinzukommt. Daraufhin werden im ersten Schritt die Einflüsse selbst bewertet. Sollten sie keine Stressoren darstellen, verändert sich die Situation nicht.

Werden die Einflüsse als Stressoren kategorisiert, muss in einem zweiten Schritt die Situation bewertet werden. Stellt jene dann eine Stresssituation dar, so müssen Handlungsmöglichkeiten gefunden werden.

Im dritten Schritt wird die Situation auf ihre Lösungsmöglichkeiten überprüft. Dabei ist entscheidend,  ob genügend Ressourcen vorhanden sind, um dem Stressor entgegenzuwirken oder ob die Ressourcen nur für die Bewältigung der bereits bestehenden Anforderungen (Arbeitsalltag o.ä.) ausreichen.

Wird eine Handlungsmöglichkeit gefunden, so wird entweder das Verhalten oder das Verhältnis geändert, d.h. entweder der Umgang mit der Situation wird geändert oder die Situation selbst.

Gelingt dies nicht, tritt die Ermüdungsphase ein und viele Funktionen des Körpers werden geschwächt. Die Ressourcen reichen dann meist auch nicht mehr aus, um die Anforderungen, die vorher keinen Stress darstellten (s.o. Arbeitsalltag) zu bewältigen. Somit werden die  Anforderungen zu Stressoren.

Die Stressreaktionen sind immer von den Vorerfahrungen abhängig.  Hat man die Situation noch nie erlebt, so wird sie als gefährlich eingestuft, da noch keine Reaktionsmöglichkeiten internalisiert wurden. Je besser man die Situation kennt und je positiver die Erfahrungen mit der Bewältigung ausfielen, desto weniger lösen die Situationen Stress aus.

Wird bei einer Situation jedoch erkannt, dass der Bewältigungsversuch beim letzten Mal gescheitert ist, so entsteht nicht nur Stress, sondern es werden auch oft falsche Bewältigungsstrategien verwendet, weil man (mit der vielleicht richtigen) beim letzten Mal keinen Erfolg hatte.

Biochemischer Vorgang im Körper

Der menschliche Organismus nimmt durchgehend Reize auf und verarbeitet jene. Dies ist ein natürlicher Prozess, welcher nur in bestimmten Situationen der Stressreaktion zugeordnet werden darf. Ein eintreffender Reiz wird von den Sinneszellen aufgenommen und an den Thalamus (limbisches System) geleitet. Dort entsteht ein ungenaues Bild der Situation. Abhängig davon, ob die Situation als gefährlich eingeschätzt wird oder nicht, erfolgen nun unterschiedliche Reaktionsabläufe.

Keine Gefahrensituation festgestellt:

Wird das vom Thalamus erstellte Bild der Situation als ungefährlich eingeschätzt, so wird die Information an den Cortex (Großhirnrinde) geleitet. Dieser erstellt mit Hilfe von Erinnerungen ähnlicher Situationen ein konkreteres Bild. Wird die Situation erneut als ungefährlich eingestuft, ist dieser Prozess beendet.

Wird jedoch ein mögliches Risiko erkannt, so werden Signale an die Amygdala („Mandelkern“, limbisches System) transferiert. Dort entsteht eine emotionale Reaktion auf die Situation (Wut, Angst o.ä.) und die Stressreaktion wird durch den Nervenbotenstoff Glutamat ausgelöst.

Dieser Stoff bewirkt im Locus coeruleus („Blauer Kern“, limbisches System) eine vermehrte Produktion und Ausschüttung von Noradrenalin (Nervenbotenstoff). Das Noradrenalin setzt nun die Stressreaktion über die Sympathikus-Nebennierenmark-Achse (SNN-Achse) fort, indem es den Sympathikus dazu anregt, ebenfalls vermehrt Noradrenalin auszuschütten.

Das Noradrenalin stimuliert das Nebennierenmark vermehrt Adrenalin zu produzieren. Die zwei „Stresshormone“ Adrenalin und Noradrenalin aktivieren Kreislauf, Atmung und Energiebereitstellung. Der Körper ist nun für die  Reaktion, „Fight-or-flight“ (Walter Cannon 1915) – „Kämpfen oder Fliehen“, gerüstet. Das bedeutet, dass der Körper versucht mit der Situation umzugehen, den Stress zu bewältigen.

Gelingt dies, stoppt der Locus coeruleus das Glutamat (Botenstoff). Noradrenalin und Adrenalin werden abgebaut, die sympathische Aktivierung gesenkt.

Gelingt der Anpassungsvorgang nicht, so wird die Aktivierung beibehalten, es werden vermehrt Noradrenalin und Adrenalin ausgeschüttet und das Glutamat (Botenstoff des Amygdala) setzt die Stressreaktion über die zweite Achse, die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HHNR-Achse), in Gang.

Das Glutamat verbreitet sich im Gehirn, aktiviert verstärkt den Cortex (Großhirnrinde) und das limbische System.

Dadurch werden die Nervenzellen des Hypothalamus (Regulation vegetativer Funktionen) stimuliert, dies bewirkt eine Freisetzung des Kortikotropin-Releasing-Faktors (CRF) . Der CRF löst wiederum in der Hypophyse (Hirnanhangdrüse) die Aktivierung des adrenokortikotropen Hormons (ACTH) aus.

Das Hormon gelangt über den Kreislauf zur Nebennierenrinde. Die Nebennierenrinde produziert nun verstärkt Cortisol, wodurch im Hypothalamus die CRF- und in der Hypophyse die  ACTH-Freisetzung gehemmt  bzw. vermindert wird.

Dadurch ist die hormonelle Stressreaktion begrenzt und stellt keinen endlosen Prozess dar. Der beschriebene Vorgang ist nicht gesundheitsschädigend, sondern ein überlebenswichtiges Anpassungsverhalten des Organismus.

Gefahrensituation wird bereits im Thalamus erkannt: 

Zeigt das vom Thalamus erstellte, ungenaue Bild der Situation eine eindeutige Gefahr, so werden Signale direkt an die Amygdala („Mandelkern“) weitergeleitet, welche darauffolgend die Stressreaktion (s.o.)initiiert .