Läßt sich stress messen?

Lässt sich Stress messen?

Unter „Aktuelle Stresstheorien“ wurde bereits auf die Stressmessung hingewiesen und darauf, dass sich Wissenschaftler heute mit den verschiedensten Messverfahren beschäftigen.

Die Art der Stressmessung ist davon abhängig, welchen Zwecken sie dient. Hegen beispielsweise Psychologen den Wunsch Studien zur Stressmessung durchführen, so sind sie vielleicht eher daran interessiert festzustellen, was Menschen als Stress empfinden, während Endokrinologen (Endokrinologie – „die Lehre von den Hormonen“) sich dagegen wahrscheinlich für die internen, körperlichen Vorgänge begeistern.

Im Folgenden werden verschiedene Optionen zur Stressmessung vorgestellt. Ebenfalls wird darauf eingegangen, weshalb sich die Kenntnis um den eigenen Stresslevel als sinnvoll erweist. Darauf aufbauend bieten wir Ihnen die Möglichkeit selbst einen „Stresstest“ ,in Form eines Fragebogens, durchzuführen.

Wie kann man Stress messen?

Es gibt viele Möglichkeiten Stress zu messen; einige Varianten eignen sich für selbsttätige Durchführungen, andere wiederum werden von Spezialisten wie Ärzten und Psychologen getätigt.

  • Die Stressmessung durch Beobachtung eignet sich vor allem für Forschungszwecke. Das Verhalten einer Versuchsperson wird im Hinblick auf Stressreaktionen dokumentiert.
  • Zwei Arten von Fragebögen können zur Stressmessung genutzt werden. Erste Variante: Den einzelnen Fragen wird eine bestimmte Punktzahl zugeordnet, die den Stresslevel bestimmt. Zweite Variante: Die Antworten des Probanden werden direkt von einem Experten ausgewertet.
  • In diesem Zusammenhang können auch „Stresstagebücher“ der Testperson und Interviews Daten zur Stressmessung liefern. In einem Tagebuch können Tagesabläufe und die damit verbundenen Emotionen festgehalten werden, wodurch der Stresslevel und vor allem die Stressursache erfasst werden.
  • Eine bereits unter der Stresstheorie von Holmes und Rahe aufgeführte Möglichkeit zur Stressmessung ist die „Skala der lebensverändernden Ereignisse“ („Life Change Units“). Indem man die Punkte der lebensverändernden Ereignisse eines Jahres zusammenzählt, kann über die LCU-Skala errechnet werden, wie hoch der eigene Stresslevel ist. Diese Bewertung berücksichtigt jedoch nicht das subjektive Stressempfinden.
  • Eine weitere Möglichkeit Stress zu messen ist die Bestimmung des Hormonspiegels. Da unter Stress vermehrt Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet werden, kann Stress durch eine Blut- oder Speichelprobe festgestellt werden.Die Freisetzung der Catecholamine in den Blutkreislauf erfolgt sehr rapide, das Nebennierenmark schüttet jene innerhalb von 1-2 Sekunden nach der Perzeption des stressinduzierdenden Stimulus aus (Goldstein, 1987). Die Wegdauer des Cortisol vom Blut in den Speichel beträgt  1-2 Minuten (Kirschbaum & Hellhammer, 1998).  Zudem belegen Studien, dass chronischer Stress und ein Anstieg des Cortisols mit einer Senkung des Secretory ImmunoglobulinA und einer Erhöhung der Dehydroepiandrosteron-Konzentration gekoppelt ist (Jemmot&Magloire, 1988). Akute Stressoren können jedoch zu einem Anstieg des Secretory ImmunoglobulinA führen (Carroll, Ring& Winzer, 2000).  Der Speichel selbst weist einen zusätzlichen Faktor im Kontext der Stressmessung auf, die Speichel-Alpha-Amylase. Psychosozialer Stress erhöht deren Konzentration. (Rohleder,Wolf,Maldonado & Kirschbaum,2006, S.645-652)
  • Des Weiteren eignet sich die elektrodermale Aktivität, sprich der Hautleitwert, als Parameter zur Stressmessung. Denn jener erweist sich in Stresssituationen als deutlich höher. Ebenso werden die Messung des Blutdrucks, der Herzfrequenz sowie der Herzfrequenzvariabilität als geeignete Instrumente erachtet.

Warum sollte man sein Stresslevel kennen?

Auf körperlicher und emotionaler Ebene werden der Perzeption Signale zugesandt. Weshalb erachtet man es diesbezüglich als notwendig seinen Stresslevel zu kennen?
Auch wenn Stress durchaus wahrgenommen wird, so sind seine konkreten Auswirkungen auf den Körper und die langfristigen Folgen nur schwer einschätzbar. Stressreaktionen können stattfinden, ohne dass man sich ihrer bewusst ist (z.B. starke Hormonausschüttung).

Mit Hilfe von Stressmessungen kann festgestellt werden, in welcher Weise und wie stark körperliche Stressreaktionen ausfallen  – und vor allem: Wann diese auftreten.
Die Identifikation der Stressoren und deren Erscheinungskontexte vergegenwärtigen den ersten Schritt der Stressbewältigung.

Nachfolgend kann in der „Testphase“ gemessen werden, auf welche Arten der Stressbewältigung der Körper am besten reagiert. Stressmessung hilft also die Reaktionen des eigenen Körpers besser kennenzulernen, gezielter zu berücksichtigen und letzten Endes auch langfristig die Gesundheit wieder herzustellen, zu erhalten und zu fördern.

 

 

 

 

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