Evolutions Modell

Immer wieder ist die Rede davon, dass Stress krank macht…

Aber was geschieht denn nun im Gehirn und im Körper, wenn ich Stress habe? Welche Symptome ruft ein emotionales Ungleichgewicht hervor und wie kann sich das als Schmerz manifestieren und chronische Erkrankungen wie Burnout und Depression hervorrufen? Um unsere emotionale Struktur und Reaktionsweisen zu verstehen, müssen wir ein paar Jahrtausende zurückschauen, wo alle diese Überlebensmechansimen angelegt wurden.

Der Mensch ist ca. 4,5 Mio. Jahre alt, der moderne Mensch erst 40.000 Jahre. Im Vergleich zum gesamten Zeitraum der Evolution sind das 0,001%, also 99,9% unserer Entwicklung in Molekülen, Zellen und Tieren. Unser limbisches System hat unterschiedliche Reaktionsmuster bei Gefahr entwickelt:

  1. Angriff (Den Gegner besiegen oder in Flucht schlagen)
  2. Flucht (Das eigene Leben retten und fliehen)
  3. Totstellen (Totes Fleisch wird nicht gefressen)

Angst und Furcht sind Emotionen, die bei einer Bedrohung (oder der bloßen Vorstellung davon) bei vielen Tieren einschließlich des Menschen auftreten. Als grundlegende stammesgeschichtlich herausgebildete Warn- und Schutzfunktion treiben Angst und Furcht zur Flucht und aktiven oder passiven Vermeidung von Situationen an, die Schmerz, Verletzung und Tod zur Folge haben können

Um unserer limbisches Reaktionsmuster zu verstehen hier eine Kurzform die bekannte Säbelzahntiger-Version:

  • * Der Säbelzahntiger löst eine lebensrettende Kampf- bzw. Fluchtreaktion aus
  • * Stresshormone werden ausgeschüttet
  • * Das sympathische Nervensystem übernimmt das Kommando:
    • - Herzfrequenz, Blutdruck und Durchblutung der Muskulatur werden gesteigert
    • - Energie in Form von Zucker und Fett werden im Blut bereitgestellt
    • - Verdauungsfunktion, Sexualtrieb und Immunsystemsystem fahren herunter
    • - Anitentzündungsfaktoren werden gebildet, falls doch etwas geschieht…

Bis hierhin klingt das alles sehr positiv – wo liegt also das Problem?

Der Säbelzahntiger der Neuzeit wird zum Dauerstress und die verstärkte Aktivierung des sympathischen Nervensystems führt zu massiven gesundheitlichen Störungen. * Was früher ein Kampf auf Leben und Tod, aber doch kurzfristig und vorübergehend sinnvoll war, verliert in dieser modernen Lebensform mit ihren daraus resultierenden Problemen wie Hilflosigkeit, Überforderung, Angst, Krankheiten, Beziehungsproblemen und Konkurrenzstress wie Mobbing, der schon im Kindesalter beginnt, seine lebensrettende Funktion.

Kindern hilft es nicht, wenn sie schnell aus dem Klassenzimmer rennen können, Arbeitnehmer sind schlecht beraten, ihren Chef bei Unstimmigkeiten kämpfend außer Gefecht zu setzen… Die Probleme haben sich in den verändert, daher müssen nun angepasste Stressbewältigungsstrategien unser Überleben sichern.

Die Stressbewertung erfolgt im limbischen System. Primär entstehen dort die STÖRUNGEN DES EMOTIONALEN GLEICHGEWICHTS, weil in diesem Bereich des Gehirns alle Informationen zusammenlaufen, in denen neues mit altem bereits erfahrenen verglichen wird Wenn Diskrepanzen zwischen Erwartungen und dem real eingetretenen auftreten, dann entstehen Unruhezustände (Arousal). Erregungsmuster breiten sich sehr schnell in Bereiche des Hirns hinunter aus, die für die Steuerung vegetativer körperlicher Funktionen zuständig sind. Dieses ganze limbische System, das immer mit Angst und Stress assoziiert wird, ist für die Regulation der Körperlichkeit verantwortlich. Von dort aus wird das gesamte autonome Nervensystem reguliert.

Von dort aus werden die gesamten integrativen Regelsysteme kontrolliert: Das Immunsystem, das autonome Nervensystem und das endokrine System (Drüsen). Das heißt die gesamte Regulation des Körpers, und das ist eigentlich die Hauptaufgabe des Gehirns, wird über das limbische System vermittelt. Wenn hier Unruhe hineinkommt, dann empfindet man das als bedrohlich und spürt das auch anhand der körperlichen Auswirkungen. Ursachen für Störungen des emotionalen Gleichgewichts sind vielfältig, aber alle haben eines gemein: es sind Störungen der Beziehungen zu anderen Menschen.

  1. konkrete Konflikte
  2. Verlust bisher dagewesener psychosozialer Unterstützung
  3. Verlust bisher vorhandener psychosozialer Kompetenz (Arbeitslosigkeit…)

Im Gegensatz zum Tier besitzt der Mensch die Fähigkeit, allein durch die Vorstellung einer bedrohlichen Situation die Stress-Kaskade in Gang zu setzen, d.h. die Erinnerung an eine ähnliche Situation oder die Vorstellung einer bevorstehenden Gefahr genügt bereits, um sich tatsächlich „krank“ zu denken und alle körperlichen Symptome zu erzeugen. Wie im Kontext noch ersichtlich werden wird, funktionieren unsere Gedanken glücklicherweise auch in die positive Richtung. Da aber vor dem Denken in einer akut brenzligen Situation das Fühlen steht, sei nun an dieser Stelle zuerst der akute Ernstfall erklärt – Zeit zum Denken bleibt hier nicht…  

Das bereits erwähnte autonome Nervensystem, das nicht willentlich gesteuert werden kann, gliedert sich in das sympathische und das parasympathische Nervensystem und reguliert unsere körperliches Gleichgewicht, das heißt Blutdruck, Herzfrequenz, Verdauung, Atmung und Stoffwechsel. Diese Steuerung unterliegt nicht unserem Willen.

Das parasympathische Nervensystem dient zur Erhaltung, Regeneration und Schonung des menschlichen Körpers. Es wirkt im Wesentlichen folgendermaßen auf die Organe:

  • * Senkung der Herzfrequenz und des Blutdrucks
  • * Entspannung des Schließmuskels und Anregung der Verdauungsvorgänge
  • * Verengung der Bronchien

Die Aufgabe des sympathischen Nervensystems liegt in der Leistungssteigerung, das heißt, es übernimmt die Kontrolle in Krisensituationen, bei denen es ums Überleben geht oder zur vorübergehenden Leistungssteigerung im Allgemeinen.

Jeder kennt die Symptome, wenn der Sympathikus das Kommando übernimmt:

  • · Das Herz rast, das Blut pocht, der Blutdruck steigt
  • · Vermehrtes Schwitzen setzt ein, der Stoffwechsel wird angeregt
  • · Die Muskeln spannen sich an und es wird Glucose bereitgestellt
  • · Die Bronchien erweitern sich
  • · Sämtliche Funktionen des Körpers werden angeregt mit einer Ausnahme: die Verdauung, denn das wäre bei der Flucht sehr hinderlich…

Zur Veranschaulichung nun folgendes Beispiel:

Evolutionsbedingt reagiert der Mensch auf eine akute Stresssituation mit der Aktivierung des sympathischen Nervensystems, das heißt:

1. Der Säbelzahntiger erscheint – die Alarmglocken klingeln - Achtung Lebensgefahr! Sämtliche Kampf- oder Fluchtreaktionen des Körpers werden aktiviert.

Zuerst gelangen über die Sinnesorgane Informationen zum Limbischen System, dort findet die emotionale Bewertung der Situation statt. Hier findet die Entscheidung über die weitere chemische Kaskade statt, die zum Einen bei akuter Bedrohung das Leben retten oder zum Anderen bei anhaltender/chronischer Stressbewertung lebensbedrohliche Erkrankungen verursachen kann.

Wird eine gefährliche Situation erkannt, schaltet sich blitzschnell der Sympathikus ein und ruft die lebensrettenden leistungssteigernden Mechanismen hervor. Auf nervalem Weg stimuliert er sofort das Nebennierenmark, welches vermehrt Adrenalin und Noradrenalin produziert und das Herz-Kreislauf-System reagiert sofort auf die gesteigerten Anforderungen.

2. Weiterhin wird der sogenannte Hypothalamus alarmiert. Dieser ist das Verbindungsglied zwischen den übrigen Gehirnregionen und dem Körper. Seine Hauptaufgabe ist es, das Gleichgewicht (Homöstase) der Körperfunktionen wie Hunger, Schlaf, Sexualtrieb, Temperatur, Blutdruck usw. zu regulieren. Durch seine Nachbarschaft zum Limbischen System ist er sehr störanfällig und sensibel für Unruhe jeglicher Art. So lassen sich nun auch die Auswirkungen von z.B. Freude und Angst auf den Körper erklären.

3. Bei Stress schüttet er Hormone an die Hypophyse aus, ein kirschkerngroßes Anhängsel des Hypothalamus.  Diese reagiert darauf mit  der Ausschüttung von ACTH, dem adeno-corticotropen Hormon, das wiederum die Nebenniere anregt. Da dieser Weg über das Blut stattfindet, dauert es etwas länger, die Wirkung hält jedoch einen entsprechend größeren Zeitraum an.

4. Die Nebenniere hat mit den eigentlichen Nieren nichts zu tun. Sie sitzt auf den oberen Polen der Niere und erhielt daher ihren Namen. Die über Hypothalamus und Hypophyse hormonell informierte Nebennierenrinde produziert in Stresssituationen Cortisol. Der in diesem Fall hormonelle Übertragungsweg über das Blut dauert länger.

Normalerweise erfolgt die Abgabe der Glukokortikoide hauptsächlich zwischen 6 und 9 Uhr, bei akutem Stress allerdings schnellt der Ausstoß sofort in die Höhe.

Im Nebennierenmark, welches vom Sympathikus direkt alarmiert wird, werden zwei Hormone bzw. Neurotransmitter gebildet: das Adrenalin und das Noradrenalin. Dies geschieht fortlaufend und kontinuierlich in kleinen Dosen, um den im Alltag benötigten Energiestatus zu erhalten.

Bei einer Stressreaktion jedoch kommt es auch hier plötzlich zu einer hochdosierten Ausschüttung dieser beiden Nervenbotenstoffe, um die Energiebereitstellung kurzfristig zu erhöhen und somit eine Kampf- oder Fluchtreaktion körperlich zu ermöglichen – die oben genannten Symptome treten auf.

Unser Körper ist also ein intelligent durchdachtes System, das automatisch auf Lebenserhaltung umschaltet:

  • Körperliche Höchstleistung wird kurzfristig gewährleistet, damit eine – archaisch lebensrettende – Reaktion möglich ist.
  • Komplizierte Denkvorgänge werden blockiert, da nur die für die Akutsitation benötigten Mechanismen aktiviert sind, z.B. ein großer Teil des Blutes in den Flucht-Muskeln anstatt im Frontalhirn fließt, denn zum Planen und Überlegen ist jetzt nicht die geeignete Zeit. (Blackout bei Prüfungsstress)
  • Die Hormone hemmen das Immunsystem und wirken anti-entzündlich wirken, fördern also die Wundheilung. Bezogen auf unser Säbelzahntiger-Beispiel hat die Natur also auch für den Fall einer Verletzung vorgesorgt.

Wenn ein kurzzeitiger und vorübergehender Akutstress vorliegt, sind also all diese hormonellen und nervalen Reaktionen gesund und sinnvoll zur Erhaltung unseres Daseins. Wenn Kampf oder Flucht angesagt ist, bleibt  für weitreichende Überlegungen keine Zeit, da akute Lebensgefahr besteht. Dem Körper werden innerhalb kürzester Zeit alle notwendigen Energien zur Verteidigung zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig werden jedoch alle Zellprozesse unterbunden, die auf Schutz und Gesunderhaltung auf längere Sicht notwendig sind.

Chronischer Stress macht krank. Der Körper gerät aus dem Gleichgewicht, läuft nur noch im Kampf- und Abwehrmodus und gerät früher oder später aus seinem gesunden Gleichgewicht.

Wenn der Säbelzahntiger abgelöst wird von ständigen Ängsten, und Unsicherheiten, sei es Mobbing im Büro, unbezahlte Rechnungen oder Partnerschaftskrisen die Gründe sind, dann ist die Lösung nicht in Kampf oder Flucht zu finden, es wird nicht innerhalb kürzester Zeit über Sieg oder Niederlage entschieden, sondern der altbewährte Stressmechanismus, der unser Überleben sicherte, wird zur tickenden Zeitbombe, die den modernen Menschen krank macht.

  • Durch die Dämpfung des Immunsystems wird die Abwehr geschwächt
  • Die Hirnbereiche, die für komplexes Denken zuständig sind werden „deaktiviert“, so dass sinnvollen Lösungen der Weg versperrt ist, weil das Blut für die Kampf- bzw. Verteidigungssituation in Skelettmuskulatur und Herz umgeleitet wird. Logisches planendes Denken ist im Akutzustand nicht nötig und auch nicht möglich
  • Unter Dauerbeschuss von Glukokortikoiden stellt das Gehirn sogar die Produktion von Neuronen ein – es schrumpft (Bruce Lipton)
  • Folge der Muskelanspannung sind Rücken- und Kopfschmerzen
  • Magenschmerzen, Herzkrankheiten, Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen durch die aktivierte und nicht ausgelebte Stresskaskade – die typischen Zivilisationskrankheiten!

Dieser Zustand wird als Arousal (Erregung) bezeichnet und kann auch nach Traumatisierungen und Erinnerungserlebnissen dauerhaft aktiviert sein.

Und schon ist es klar, wie Stress Krankheit und Schmerz verursachen kann…

Techniken aus der Kinesiologie und Energetischen Psychologie lösen oft erstaunlich schnell Angstspiralen, die aus alten Erfahrungen und Traumata resultieren, auf und ermöglichen neue Sichtweisen, die ängstlich-panische Handlungsunfähigkeit in Gelassenheit und Mut verwandeln.

Durch Erfolgserlebnisse werden nun systematisch Ressourcen geschaffen, die bekannte Lösungsmöglichkeiten im Hippocampus abspeichern und die Bewertung im Limbischen System läuft weniger häufig auf die Kampf-oder-Flucht-Spirale heraus. Eingefahrene Denkmuster, Vermeidungsstrategien aus Angst, können identifiziert und verwandelt werden.

*Die positive Botschaft:

Alles, was den Geist und somit den Körper entspannt - da die beiden ja miteinander verkoppelt sind gilt es auch umgekehrt - bringt ein Gleichgewicht und somit Heilung. Techniken wie Autogenes Training, Entspannungsübungen, Klopfakupressur, Meditation und auch das Hören von besänftigender Musik tragen sofort durch die Ausschüttung von den entsprechenden Hormonen und Transmittern zur Ent-Spannung und damit zum Heilen und Gesundbleiben bei. Diese Techniken können von jedem Menschen, groß oder klein, erlernt und alleine angewandt werden - nicht irgendwann, nicht morgen, sondern JETZT! :-)

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