Hyperarousal-Stress Modell

Hyperarousal-Stress-Modell

In aktuellen Modellen zur Entstehung von SIBS / Mini PTBS wird angenommen, dass das Wechselspiel zwischen einer kognitiven (gedanklichen), emotionalen und physiologischen Übererregung (so genanntes Hyperarousal) mit einem damit einhergehenden veränderten Verhalten der Betroffenen zentral für die Entwicklung und Aufrechterhaltung der SIBS / Mini PTBS ist. Ein derartiges „Teufelskreis“-Modell ist in der oben gezeigten Abbildung dargestellt.

Kognitives Hyperarousal: Mit dem Begriff des kognitiven (gedanklichen) Hyperarousals wird bezeichnet, dass Menschen mit SIBS / Mini PTBS sehr zum dauerhaften Grübeln neigen. Vor allem in Ruhephasen oder abends im Bett gehen den Betroffenen oft pausenlos Gedanken durch den Kopf, und es gelingt ihnen kaum, gedanklich „abzuschalten“.

Inhaltlich denken diese Menschen dauernd an belastende Lebensumstände oder – was ebenfalls sehr typisch ist – an ihre Unfähigkeit und deren Folgen.

So machen sich viele Betroffene zu jeder Zeit starke Sorgen darum, ob sie das alles leisten können, welche Auswirkungen das Geschehen hat oder ob ihr Schlaf ausreichend sein wird, um für den nächsten Tag gerüstet zu sein.

Ebenfalls typisch ist, dass sie darüber nachdenken, wie viele Stunden es noch bis zum nächsten Morgen sind, indem sie wieder der Situation (oder den zu befürchtenden Flashbacks) ausgeliefert sind, was meistens damit verbunden ist, dass die Betroffenen permanent auf die Uhr schauen.

Emotionales Hyperarousal: Emotionales Hyperarousal zeigt sich bei Menschen mit SIBS / Mini PTBS beispielsweise daran, dass die Betroffenen ängstlicher sind als andere Menschen. Generell zeigen Studien, dass SIBS / Mini PTBS zu negativeren Emotionen neigen als Menschen, die gut schlafen, wobei dies insbesondere für die Zeit zutrifft, in der die SIBS / Mini PTBS abends wach im Bett liegen.

Physiologisches Hyperarousal: Die Frage, ob sich bei Insomnie-Patienten ein erhöhtes physiologisches Aktivitätsniveau nachweisen lässt, wird seit vielen Jahren untersucht.

So gibt es einige Untersuchungen, die dafür sprechen, dass Überregbarkeit mit einem erhöhten Blutdruck, einer erhöhten Herzrate oder einer verstärkten Ausschüttung des „Stresshormons“ Cortisol einhergehen. SIBS / Mini PTBS Klienten geben dabei insbesondere auch subjektiv an, dass sie körperlich angespannt sind.

DysfunktionalesVerhalten: Neben dem „Hyperarousal“ lässt sich bei SIBS / Mini PTBS Klienten sehr häufig ein Verhalten beobachten, das ungünstig für guten Schlaf ist. Dazu zählen zum Beispiel ein unregelmäßiger Rhythmus aus Schlafen und Wachen oder Fernsehen, Lesen oder Arbeiten im Bett.

Darüber hinaus verhalten sich SIBS / Mini PTBS Klienten häufig in einer Art und Weise, die sie selbst für günstig für ihren Schlaf halten, die aber tatsächlich den Schlaf auf lange Sicht eher negativ beeinflusst. So verbringen diese Menschen häufig sehr viel Zeit im Bett, indem sie sich abends schon sehr früh schlafen legen, morgens spät aufstehen und zusätzlich versuchen, tagsüber zu schlafen.

Dies geschieht in dem Glauben, dass eine Verlängerung der Bettzeit zwangsläufig zu mehr Schlaf führt. Tatsächlich gewöhnen sich diese Menschen jedoch langfristig an einen oberflächlicheren Schlaf, da sie sich durch die langen Bettzeiten den Druck nehmen, tief und erholsam zu schlafen.

Für viele Klienten ist darüber hinaus typisch, dass sie nachts wiederholt auf die Uhr schauen, um zu kontrollieren, wie lange sie schon wach liegen beziehungsweise wie viele Stunden sie noch schlafen können. Auch dieses Verhalten hat einen negativen Effekt, da das kognitive „Hyperarousal“ durch die gedankliche Beschäftigung mit dem Thema Schlaf verstärkt wird.

Symptome des Hyperarousal:

  • - Symptome der Übererregung: z.B. Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit, erhöhte Reizbarkeit, mangelnde Affektintoleranz
  • - Schwierigkeiten einzuschlafen
  • - Irritierbarkeit oder Ausbrüche von Ärger
  • - Konzentrationsschwierigkeiten
  • - Hypervigilanz (erhöhte Aufmerksamkeit)
  • - Erhöhte Schreckreaktion (startle response)
  • - Man lebt so, als ob man immer noch aktuell durch das traumatisierende Ereignis bedroht würde. Man wird dadurch irritierbar oder 'explosiv',
      auch wenn man gar nicht provoziert wurde.

Stressschwellen Modell

Die Stressschwellen jedes einzelnen Menschen sind sehr individuell und hängen von der Vulnerabilität (siehe Seite 4). Prinzipiell gibt es 4 Stufen.

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